(armin fischer/t&t)
So viel »Zäsur« wie heute war noch nie: Gestern abend dreimal in der Tagesschau, später bei »Maischberger« gefühlte 56 mal. »Zäsur« ist das Modewort des Horrors, aber auch des Wechsels.

Angela Merkel, die Chefin aller braven Nachplapperer fing damit an. Sie bezeichnete vor der Bundespressekonferenz die Katastrophe in Japan, das Mega-Erdbeben, den Tsunami und den daraus folgenden GAU im Atomkraftwerk als »Zäsur«, wirklich zu recht. Seitdem aber, knapp drei Wochen sind vergangen, hat sich das Wort selbständig gemacht, und penetriert uns, wo es kann. Das zeigt vor allem, wie leicht man Medien mit Begriffen »impfen« kann, seien sie nun angebracht wie in diesem Fall, oder schamlose Euphemismen, was weit häufiger geschieht.

Die Zäsur findet inzwischen überall statt:
• Die Atom-Wende: eine Zäsur
• Der SuperGAU: eine Zäsur
• Die Atom-Wende-Wende: eine Zäsur
• Der erste grüne Ministerpräsident: eine Zäsur
• Die deutsche Enthaltung bei der Libyen-Abstimmung der UNO: eine Zäsur
• Euro-»Finanzausgleich«: eine Zäsur
• Rückwirkend sogar Guttenberg, und seine Lügen vor dem Bundestag: eine Zäsur
… und so weiter

Die Follower der »Zäsur«: Jeder, der einen Stift halten und ein paar Worte in die Kamera lispeln kann: Will, Maischberger, Plasberg, Miosga, vermutlich auch Lanz und Kerner (nicht gesehen), das gesamte ZDF-Nachrichtenteam ebenso, die ganzen Nachrichten-Einpeitscher bei n24, ntv und phoenix natürlich auch. Und selbstverständlich jeder Politiker, der sein Gesicht in eine Kamera halten darf, im gesamten Farbspektrum von Claudia Roth bis Horst Seehofer. Nie waren sie so einig, wie bei der »Zäsur«.

Dabei kann ich mir vorstellen, dass einige einfacher gestrickte Zeitgenossen (Medienvertreter nicht ausgenommen) Merkels Wort ganz anders verstanden haben: »Ja, genau, ein wenig Zensur muss schon sein, heutzutage, bei so einer kritischen Lage. Da kann man die Infos nicht alle rausgeben und muss die Medien ein wenig an die Kandare nehmen. Genau, Zensur, wie das die Ungarn jetzt eingeführt haben. Die Japaner machen es ja mit ihrer Informationspolitik sowieso. Jepp, genau!«

Was, in Gottes Namen, wollen die Verbreiter der Zäsur uns eigentlich mitteilen? Dass sie alle das Latinum haben [zumindeste das Kleine], (haben sie nicht), dass sie verstehen, was sie sagen und schreiben (tun sie nicht), dass sie einfach nachplappern, was alle plappern (am ehesten das).

Meine Bitte an die Redaktion der tagesschau: Das Wort »Zäsur« auf den Index, bitte! Warum? Es hat einen hohen Nachplapper-Faktor, oder mit anderen Worten einen hohen Guttenberg-Index [Zur Erklärung: Je höher der Guttenberg-Index, umso weniger eigene Gedanken; Guttenberg Index 100 = Null eigene Gedanken, Vollplagiat].

Die Zäsur, man kann sie auch mit schlichten Worten benennen: Ein Schnitt, Einschnitt, eine weitreichende (gedankliche) Veränderung. Amen.

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z.B.: Die Eilige Schrift Zwölf unangenehme Thesen zur Katholischen Kirche im Jahre 2012. – Die Katholische Kirche befindet sich auf einem Parforceritt zurück ins Mittelalter … und viele spielen eine beklagenswerte Rolle, wenn es um die Volksverdummung im Interesse der Kirche geht. Kritische Stimmen sind kaum zu hören, man ist viel lieber happy im Papst-Wahn.

z.B.: Die Wissenschaft des Reichwerdens.

Im Jahr 2006 schoss ein Buch fulminant in den Bestsellerlisten nach oben: »The Secret«, das Geheimnis, von Rhonda Byrne, einer australischen Autorin und TV-Produzentin. Als eine ihrer maßgeblichen Quellen nannte Byrne in einem Interview Wallace Delois Wattles mit seiner »Wissenschaft des Reichwerdens«. Dieses Buch ist bis heute der am klarsten formulierte Ratgeber dafür, wie man Erfolg im Leben hat.

z.B.: Sun Tsu: Die Kunst des Krieges

Psychologische Führung aller Beteiligten, Flexibilität und Taktik gegenüber dem Gegner, äusserste Disziplin in den eigenen Reihen – das sind Prinzipien, die heute wie damals in allen großen Organisationen, ja sogar im persönlichen Leben und in der Mann-Frau-Beziehung von entscheidender Bedeutung sind.