(fi) Also, ich habe den Spiegel‹ ja schon als 16jähriger während des Wartens am Schulkiosk gelesen. Und als 18jähriger habe ich die Grünen gewählt, sonst nix. Beides ist passé.
Was den Spiegel damals auszeichnete, war seine Distanz zu dem, was man heute ›Mainstream‹ nennt, sein kritischer Blick auf die Regierenden, seine Frechheit und Respektlosigkeit.  Alles passé.

Heute ist das einstige Aufklärer-Blatt zur besten PR-Stelle der Bundesregierung geworden. Nein, falsch, nicht der Bundesregierung, sondern des Merkel-Lagers. Denn Host Seehofer gehört ja auch (noch) der Bundesregierung an; aber wie kein anderer ist er heute Zielscheibe pseudolinker Häme, Diffamierung, Zynismus und Sarkasmus – Alles, was man sich an rhetorischen Figuren nur so ausdenken kann. Wenn Sie so wollen: Eine (Achtung!) Hetzjagd in bester Manier des Propaganda-Journalismus.

Und Seehofer steht ja nur stellvertretend für jene, die eine Merkel-abweichende Meinung haben.

Trotz allem, und das zeigt schon meine Anhänglichkeit, habe ich neulich dem Spiegel Online eine Chance gegeben und das neue Spiegel Plus-Abo erworben: Die neue Bezahlschranke, die Auserwählten den Zugang zu halbwegs fundierten Berichten gewährt – während die frei zugängliche Seite mehr und mehr nur noch zusammengeschusterten und katastrophal recherchierten Schrott liefert.

Nun, es währte nicht lange. Die Ressentiments und Häme allen gegenüber, die der Merkel Politik kritisch gegenüberstehen, mehrten sich. Stattdessen wird in jedem Halbsatz die Merkel-Zuwanderungspolitik verteidigt und die Urheberin fast heilig gesprochen.

Wer etwa zu behaupten wagt, diese Politik hätte in direkter Linie zu mehr Messerstechereien, Terror-Anschlägen und sexuellen Übergriffen geführt, wird als Nazi gebrandmarkt. Und dabei stimmt es: Nicht wenige der religiösen Eiferer und Gewalttäter, die mit ›Allahu Akbar‹ Rufen in ganz Europa auf Menschen losgehen, wären ohne den ›Grenz-Kontroll-Verlust‹ der CDU/SPD-Regierung gar nicht erst in Land (und in die Länder, in die sie weiterzogen) gekommen. Insofern sind Merkel und ihre Hofschranzen (Altmaier, Kauder, Laschet) verantwortlich für eine ganze Menge Gewalttaten und sogar Morden. Sie sollten sich persönlich bei den Opfern und Angehörigen entschuldigen.

Doch das Wegducken, und das Verniedlichen katastrophaler politischer Fehler, bei dem die meisten Medien mitmachen, ist es, das die Leute wütend macht. Ich kann gut verstehen, dass sich die (schon immer) rebellischen Sachsen in die DDR zurückversetzt versehen, wo es auch nur eine erlaubte Meinung gab: Die Meinung der Einheitspartei SED und der gleichgeschalteten Medien (heute: ›Lügenpresse‹). Hans Joachim Friedrichs Lehrsatz: »Du sollst dich als Journalist mit keiner Sache gemein machen – auch nicht mit einer guten«, zählt nichts mehr bei Gesinnungsjournalisten.

Wer nun das alles anprangert, wird ins Abseits gestellt.

Auch sich gegen den Islam zu äußern, gilt als rassistisch. Dabei ist es offensichtlich, dass es sich hier um eine rückständige, frauenfeindliche, ausgrenzende, ignorante und intolerante Religion handelt, die bis zu ›offiziellen‹ Mordaufrufen (Fatwa) gegen Schriftsteller (man denke an Salman Rushdie) und Karikaturisten ausgreift. Dass gerade die ach so emanzipierten Damen der Grünen dieser Religion soviel Toleranz entgegenbringen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Für die Grünen besteht die Lösung sogar in mehr Präsenz des Islam im öffentlichen Leben, nicht etwa weniger; Beispiel islamischer Schulunterricht.

Die Religionen sollten aber raus aus der Schule, auch raus aus der Politik und raus aus den Medien – und zwar alle Religionen. Der Trend ist leider gegenläufig, und man kommt sich vor, als seien wir hinter das Zeitalter der Aufklärung zurückgefallen. Heine, Büchner, Goethe, Schiller hatten mehr kritische Distanz zur Religion, als die meisten heutigen Politiker. Und seit eine protestantische Betschwester die Grünen (mit-)anführt, waren sie für mich nicht mehr wählbar.

Zur Klarstellung: Ich spreche von Religionen, ich spreche auch von der islamischen Religion, nicht von den Muslimen, unter denen es genau so viele prima Typen gibt, wie in anderen Gruppen auch.

Nun, die Politik und die staatstragenden Medien ignorieren all dies. Weltfremd und offensichtlich blind für die Realitäten der Welt. Als Dauerreisender, der auch viel in islamischen Ländern unterwegs ist, weiß ich nur zu gut, was religiöse Verblendung mit Menschen machen kann. Das ist nicht die Schuld der Menschen, sondern Schuld der Religionen und der sie unterstützenden Politik. Und nun: Man importiert diese Probleme nach Europa, und verstärkt sie auch noch durch maximale Toleranz gegenüber Intoleranten.

Es gibt keine Partei in Berlin, die diese Probleme unverholen anspricht. Außer der einen natürlich, die tabu ist, unaussprechbar und igitt. Die etablierten Parteien und die Medien haben die AfD aber erst groß gemacht. Die verharmlosende Merkel-Hofberichterstattung treibt die Wähler in die Arme der Extremrechten – das Gegenteil dessen, was diese Medien zu erreichen versuchen. Da denkt man sich als Leser oft genug, das Bermudadreieck der Intelligenz müsse wohl in der Hamburger HafenCity liegen (wo sich die Spiegel-Redaktion abmüht), nicht in Bayern, wie der Spiegel sich anmaßend beleidigend äußerte. (Manchmal frage ich mich, ob es Neid auf dieses schöne, erfolgreiche Bundesland ist, aus dem obendrein noch der FC Bayern München kommt.)

Dobrindt, Scheuer und Konsorten sind unsympathische lobbygelenkte Marionetten, das ist klar. Das Management des Diesel-Skandals etwa ist eine Schande für die Politik. Oft waren, wenn politischer Schwachsinn produziert wurde, CSU-Politiker am Werk.

Aber die CDU von heute ist noch katastrophaler. Ihre geheiligte Kanzlerin hat das Land gespalten, ihre Partei gespalten und nicht zuletzt Europa gespalten. Großbritannien wäre höchstwahrscheinlich ohne die hirnlose deutsche Einwanderungspolitik noch in der EU – denn wir wissen, dass es am Ende nur an ein paar Stimmen hing.

Was bleibt mir also zu wählen bei der Bayerischen Landtagswahl?
Die SPD? Um Himmels willen. Sie ist heute die geistig umnachtetste Partei von allen.
Die Grünen? Es mag kluge Köpfe geben, aber insgesamt ist die Partei zu Schrott geworden.
Die Linke? Wenn es Sarah Wagenknecht alleine wäre, ja!
Die FDP? Keine Ahnung.
Die CSU? Vielleicht aus Trotz, weil mir das ständige kollektive Seehofer-Bashing auf den Senkel geht. Es wäre das erste Mal in meinem Leben, und es tut weh.
Oder: Die ›Piraten‹, die ›Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer‹, oder die Tierschutzpartei?

Ich weiß, ich bin ein wenig abgeschweift, aber es ist ja nur ein Blog.

Was ist nun mit dem Spiegel? Ich habe das Abo nach zwei Monaten gekündigt und bin jetzt ›bei‹ der NZZ mit einem Online-Abo (nebenbei, halb so teuer wie Spiegel plus). Das kann ich nur jedem raten, der einen halbwegs kritischen und distanzierten Blick auf die Berliner Politik haben möchte. Dass ausgerechnet dieses nicht gerade revolutionäre Züricher Blatt die Lücke füllt, die die Mainstream-Medien in Deutschland reissen, hätte ich auch nicht gedacht.

P.S.: Was in diesem Artikel unerwähnt blieb: In der gleichen Liga wie Spiegel & Spiegel Online spielen heute die öffentlich-rechtlichen Medien ARD und ZDF. Die Nachrichten sind unerträglich parteiisch geworden, das sonstige TV-Programm ist sowieso Schrott. Aber das wäre jetzt eine andere Baustelle und ein anderer Artikel … bei Gelegenheit, wenn ich mich mal wieder ärgern muss. Bis dahin gucke ich amazon Prime

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z.B.: Die Eilige Schrift Zwölf unangenehme Thesen zur Katholischen Kirche im Jahre 2012. – Die Katholische Kirche befindet sich auf einem Parforceritt zurück ins Mittelalter … und viele spielen eine beklagenswerte Rolle, wenn es um die Volksverdummung im Interesse der Kirche geht. Kritische Stimmen sind kaum zu hören, man ist viel lieber happy im Papst-Wahn.

z.B.: Die Wissenschaft des Reichwerdens.

Im Jahr 2006 schoss ein Buch fulminant in den Bestsellerlisten nach oben: »The Secret«, das Geheimnis, von Rhonda Byrne, einer australischen Autorin und TV-Produzentin. Als eine ihrer maßgeblichen Quellen nannte Byrne in einem Interview Wallace Delois Wattles mit seiner »Wissenschaft des Reichwerdens«. Dieses Buch ist bis heute der am klarsten formulierte Ratgeber dafür, wie man Erfolg im Leben hat.

z.B.: Sun Tsu: Die Kunst des Krieges

Psychologische Führung aller Beteiligten, Flexibilität und Taktik gegenüber dem Gegner, äusserste Disziplin in den eigenen Reihen – das sind Prinzipien, die heute wie damals in allen großen Organisationen, ja sogar im persönlichen Leben und in der Mann-Frau-Beziehung von entscheidender Bedeutung sind.