Google Flu Trends zeigt, wo Grippe-Viren hausen – Microsoft erfindet ‘Cyberchondria’

(armin fischer /t&t)
Google ist jetzt auch Flu-gle. Der Internetriese hat eine Software entwickelt, mit der sich ziemlich genau zeigen lässt, in welcher Region Menschen an Influenza, sprich Grippe, erkrankt sind. – Das Gesundheitsbarometer Google Flu Trends funktioniert jedoch bisher nur in den USA, erreichbar unter www.google.org/flutrends.


Google klappert dabei wie zu erwarten keine Ärzte ab und befragt sie, sondern setzt auf seine bekannte Internet-Power. Google-Tüftler hatten nämlich festgestellt, dass die Suchanfragen nach Grippe-spezifischen Themen und die tatsächliche Ausbreitung der Krankheit stark korrelieren. Im Rückblick ergaben das Vergleiche mit den Daten des amerikanischen Centers for Desease Control and Prevention (CDC).
Mit diesem einmal verifizierten Zusammenhang kann Google seine Daten nun auch in Echtzeit anbieten – und ist damit schneller als jedes medizinische Vorwarnsystem. Und das ohne jeden medizinischen Sachverstand, und ohne dass eine einziger Arzt seine Finger im Spiel hätte. Typisch Google eben: das System speist sich alleine aus der Datenflut des Internets. Das reicht.
Den Schnupfen-Dienst will der Internet-Dienstleister natürlich auch bald auf weitere Länder ausweiten.
Wenn wir schon dabei sind: Microsoft erfindet zwar schon lange nichts Brauchbares mehr, weder eine Software, noch ein Internet-Tool—aber nun haben die Jungs aus Seattle wenigstens eine Krankheit erfunden: Cyberchondria. Eine Studie von Microsoft zeigte nämlich: Menschen, die im Internet nach Informationen zur Selbstdiagnose suchen, geraten in Gefahr, ihren Gesundheitszustand wesentlich schlimmer zu beurteilen, als er tatsächlich ist. Die Forscher, die ihre Krankheits-Kreation an die Hypochondrie angelehnt haben, bilanzieren: “Die Ergebnisse zeigten, dass Internet-Suchmaschinen medizinische Bedenken ausufern lassen können.”
Grund: Suchmaschinen liefern ihre Ergebnisse ungefiltert und Nutzer würden dazu tendieren, sich nur die ersten paar Suchergebnisse genauer anzusehen. Gerade aber die drastischsten Ausführungen und extremsten medizinischen Beispiele würde man allzuleicht auf sich selbst beziehen. Besonders in Gefahr der Cyberchondria: Menschen mit einem geringen medizinischen Wissen.
Die Microsoftler plädieren für qualifizierter aufbereitete Suchergebnisse. Die Googlianer arbeiten daran, aber auf ihre ganz eigene Art.

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