(armin fischer/t&t)
Atomkraftwerke produzieren Strom, das ist ihr Job. Trotzdem brauchen sie doppelte und dreifache Notstromaggregate, Ersatzdiesel, Notbatterien und Zusatzakkus. Alleine diese simple, merkwürdige Tatsache sollte einem zu denken geben.

Es gibt also einen Moment in der Historie so einer »Störung« wie die fatalen Fehlfunktionen gern verharmlost werden, an dem die Energie, die die Kernbrennstäbe massenweise liefern, nicht mehr abgezapft und genutzt werden kann. Stattdessen entgleitet sie in Form atomarer Strahlung und verseucht AKW-Personal, Anwohner, Umgebung, vielleicht ganze Landstriche. Von Aussen muss dann Fremdenergie zugeführt werden, um die noch größere Katastrophe zu verhindern. Kühlung, Wasser, Stromleitungen, die neu gelegt werden – all das, was zur Zeit in Japan geschieht.

Das Höllenfeuer, würden Apokalyptiker sagen, ist ausser Kontrolle geraten, und richtet sich gegen die Menschen, die es entfacht haben. Leider ist diese Aussage näher an der Realität, als uns lieb sein kann.

Techniker wussten schon immer, dass ein vollständiges, dauerhaftes [nach allem, was man weiß: länger als 36 Stunden dauerndes] Versagen der Notkühlung eines Atomkraftwerks zwangsläufig zum SuperGAU [unkontrollierbare Situation, die über dem größten angenommenen ‚Auslegungsstörfall‘ liegt] führen muss. Und die Politik wusste es natürlich auch, ausser wir entschuldigen unsere Politiker mit völliger Dummheit und Ahnungslosigkeit. Aber damit würde man es ihnen zu einfach machen. So dumm sind sie nicht. Nein, sie haben das Risiko einfach in Kauf genommen, und tun es nach wie vor. Und, das ist das einzige, was man zur Entschuldigung der deutschen Politik sagen kann: Nicht nur hierzulande, sondern überall auf der Welt.

Donnerstag, 17. März, 9.26 Uhr: Angela Merkel spricht im Bundestag von einer Situation »Äusserster Gefahrenvorsorge« und begründet damit das sofortige [aber temporäre] Abschalten von sieben deutschen Atomkraftwerken.

Vor kurzen noch vehemente Atomkraft-Befürworterin, Laufzeitverlängerung durchgedrückt [die sie auch nicht zurücknehmen will], jetzt »Äusserste Gefahrenvorsorge«. Aha. Ist ja interessant. Hat sich in letzter Zeit an den deutschen Kraftwerken irgendwas verändert? Natürlich nicht, sie sind genauso [un]sicher, wie sie es im letzten Herbst waren. Das einzige, was sich verändert hat, ist die politische Opportunität.
  

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Die Merkel-Regierung hat das Täuschen, Tricksen und Verschleiern zum Arbeitsprinzip gemacht, das zeigte schon der Fall Guttenberg. Die Strategie jetzt:
• Sich scheinbar an die Spitze der Atomkraft-Abschalter setzen, in Wirklichkeit aber nur Warten [Moratorium], statt zumindest die eigenen Fehlentscheidungen [Laufzeitverlängerung] rückgängig zu machen.
• Auf die SPD und Grüne einprügeln, weil die ja in Sachen AKW-Abschaltung und Energiewende auch nicht alles perfekt gemacht hätten. Dabei wird scheinheilig verheimlicht, dass fast jeder Fortschritt in dieser Sache stets von den Beton- und Atomköpfen in CDU, CDU, FDP und der Atomlobby verhindert wurde. Darum konnten immer nur Kompromisse geschafft werden, die natürlich nicht so weit reichten, wie man sich das gewünscht hätte.
• Mit vielen Stimmen sprechen, und alles offen halten: Das Personal der CDU in der Atomfrage ist äussert disparat, und reicht von einem grünen Vorzeige-Grüßaugust (Röttgen) bis zum Atom-Hardliner Mappus. In der Mitte sitzt Merkel wie die Spinne im Netz, und hat sich noch nicht entschieden, in welche Richtung sie kriechen, und wen sie fressen wird.
  

Oligarchie statt freie Marktwirtschaft

Meine These: In einer wirklich freien Marktwirtschaft würde es keine Atomkraftwerke geben. Denn freie Marktwirtschaft hat auch etwas mit persönlicher Verantwortung, Haftung und dem Tragen der Folgekosten zu tun. Dies alles ist bei Atomkraft ausser Kraft gesetzt. Denn

• Wenn Atomkraftwerke auf ihre möglichen Folgeschäden versichert sein müssten [so wie jedes Auto mit seiner Haftpflichtversicherung], dann gäbe es keine. Denn die Versicherungsprämien wären so gigantisch hoch, dass kein Betreiber sie bezahlen könnte und wollte.
• Wenn die letzten »50 Tapferen«, die in einem Atomkraftwerk ihre Leben aufs Spiel setzen, sich per Gesetz aus den verantwortlichen Managern und Politikern rekrutieren müssten, dann gäbe es erst recht keine Atomkraftwerke. Keiner würde mehr den Stift in die Hand nehmen, um ein Atomkraftwerk oder dessen Laufzeitverlängerung zu genehmigen. Obwohl das Risiko doch so verschwindend gering ist.
fi
   
   
—   


Hier noch ein Kommentar aus dem Spiegel Online-Forum, von User ‚Zaziemetro‘, der sehr gut dazu passt:

Arrogante Politrhetorik
Das arrogante Verhalten und die Politrhetorik von Herrn Röttgen und vor allem von seiner Chefin sowie den Hofschranzen Kauder und Altmair in der Bundestagsdebatte und in ihren TV-Auftritten ist einfach unerträglich.

Zum einen verdreht schwarz-gelb mal wieder in bester FS Strauß Tradition den Gegnern das Wort im Munde und unterstellt der Opposition jetzt, in der Vergangenheit nicht genug getan zu haben. Eine derart perfide Verdrehung der Tatsachen, Unterschlagung der eigenen Fehler und den damit verbundenen Abschied von Wahrheit und Wahrhaftigkeit lernen offensichtlich alle Politnovizen bereits in entsprechenden Basiskursen für politische Rhetorik (wo auch solche einbetonierten Gesten wie die der Bundeskanzlerin gelehrt werden – die gespreizten Finger vor dem Bauch – sowie die Fähigkeit, Lügen zu können, ohne rot zu werden).

Zum anderen nimmt Schwarz-Gelb entsprechend keine Rücksicht auf Anstand, Mitgefühl oder Ehrgefühl und erdreistet sich, sich selbst nunmehr zum „Grünsten aller Grünen“ zu stilisieren. Dabei behauptet Frau Merkel dann auch noch dreist, niemand hätte eine solche Katastrophe voraussehen können. Mit dieser schamlosen Lüge beleidigt und verhöhnt sie die Millionen Bürger, die seit 50 Jahren gegen die Atomkraft sind, die in Grohnde, Brokdorf, Wackersdorf usw. auf die Barrikaden gegangen sind, weil ihr gesunder Menschenverstand ihnen gesagt hat, dass die Technik der Kettenreaktion nicht vollständig beherrschbar ist und dass im Falle eines GAUs die Schäden unermesslich sein werden. Selbstverständlich haben also Millionen Menschen die Möglichkeit des Super-Gaus vorhergesehen.

In ihren Augen bleibt, wer schon vorher grün gedacht und anti-Atom gewählt hat, auch heute noch ein Chaot, Störer, Linker usw., dessen Leistung auf jeden Fall zu negieren ist. Es ist schon widerwärtig, wie mit einer solchen Argumentationsvolte schwarz-gelb versucht, von der eigenen Blindheit abzulenken, bloß, um an der Macht zu bleiben. Dass dabei aber die Würde des Amtes (bzw. der Ämter) beschädigt wird und der Demokratie ein weiterer Sargnagel verpasst wird, scheint weder Herrn Röttgen noch den anderen Regierungsmitgliedern etwas auszumachen.

Ehrlich Fehler eingestehen, bereuen? Fehlanzeige! Von Scham gar nicht zu reden. Dass man die Plagiatsaffäre noch Toppen kann, konnte in der Tat niemand vorhersehen.

Be Sociable, Share!

Kommentare sind geschlossen

z.B.: Die Eilige Schrift Zwölf unangenehme Thesen zur Katholischen Kirche im Jahre 2012. – Die Katholische Kirche befindet sich auf einem Parforceritt zurück ins Mittelalter … und viele spielen eine beklagenswerte Rolle, wenn es um die Volksverdummung im Interesse der Kirche geht. Kritische Stimmen sind kaum zu hören, man ist viel lieber happy im Papst-Wahn.

z.B.: Die Wissenschaft des Reichwerdens.

Im Jahr 2006 schoss ein Buch fulminant in den Bestsellerlisten nach oben: »The Secret«, das Geheimnis, von Rhonda Byrne, einer australischen Autorin und TV-Produzentin. Als eine ihrer maßgeblichen Quellen nannte Byrne in einem Interview Wallace Delois Wattles mit seiner »Wissenschaft des Reichwerdens«. Dieses Buch ist bis heute der am klarsten formulierte Ratgeber dafür, wie man Erfolg im Leben hat.

z.B.: Sun Tsu: Die Kunst des Krieges

Psychologische Führung aller Beteiligten, Flexibilität und Taktik gegenüber dem Gegner, äusserste Disziplin in den eigenen Reihen – das sind Prinzipien, die heute wie damals in allen großen Organisationen, ja sogar im persönlichen Leben und in der Mann-Frau-Beziehung von entscheidender Bedeutung sind.