Michael Glos: Ich bin Minister, holt mich hier raus! | Brief | Wortlaut

(armin fischer /t&t)
“Ich bin ein Minister, holt mich hier raus!” ruft Michael Glos, der zuviel Dschungel-Camp geguckt hat. Sein Chef Horst Seehofer und Kanzlerin Angela Merkel kontern mit einem abgewandelten Spruch des Kabarettisten Kaya Yanar: “Du kummst hier net raus!”


Sonst wettern wir immer über Politiker, die an ihrem Sessel kleben. Kaum will aber einer mal freiwillig gehen, ist es auch nicht recht. Hier der Brief von Michael Glos an seinen Parteivorsitzenden Seehofer im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Parteivorsitzender, lieber Horst,
vor uns liegen zwei schwierige Wahlkämpfe. Ich werde mich voll dafür engagieren, dass wir unsere Wahlziele erreichen und Angela Merkel weiterhin unser Land erfolgreich regieren kann. Ohne eine erfolgreiche CSU kann dies nicht selbstverständlich gelingen.
Zudem ist eine starke CSU Garant für die Vertretung der speziellen bayerischen Interessen im Bund und in Europa. Die Erfahrungen der Landtagswahl, aber auch das Echo der Wähler seither zeigen, dass Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt sind. Zur Glaubwürdigkeit gehört auch, vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen.
Da ich in diesem Jahr mein 65. Lebensjahr vollende, entspricht es meiner Lebensplanung, nach dem 28. September keinem Kabinett mehr anzugehören. Die Arbeit als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ist der Höhepunkt meines politischen Lebens und ich bin dankbar, dass ich die Weichen stellen konnte. Vor allen Dingen war es mir wichtig, in der Finanz- und Wirtschaftskrise wirkungsvolle Maßnahmen, die auch meine Handschrift tragen, rasch durch- und umzusetzen.
Mir liegt vor allen Dingen der Mittelstand am Herzen und ich hoffe, dass unsere Maßnahmen auch ganz besonders dort Wirkung zeigen. Als Mitglied des Bundestages werde ich mich weiterhin diesen Fragen stellen.
Bereits vor dem großen Neuanfang in der Bayerischen Staatsregierung und an der Parteispitze hatte ich dir angeboten, auch über mein Ministeramt disponieren zu können. Ich bitte dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden.
Mit freundlichem Gruß
Dein Michael Glos

Quelle: “Bild am Sonntag”
Es heißt: Reisende soll man ziehen lassen. Das sollte für die Bundesregierung doch leichter sein, als für den Vatikan. Wäre ja höchst bedauerlich, wenn in unserem Land kein fähiger Kopf für dieses Ministeramt zu finden wäre. Bitte kein Proporz-Dino.

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