Aus dem Buch ›Alles, was ein Mann tun muss

(fi) Was ist eigentlich der romantischste Ort Europas? Sicher gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Vielleicht ist es die Buche am Waldrand, in die Sie Ihr erstes Herz schnitzten, vielleicht ist es die kleine Gasse in der Wiener Altstadt, in der Sie Ihre Liebste zum ersten Mal küssten, vielleicht aber auch der Fußballplatz, auf dem Sie als umjubelter Torschützenkönig Triumphe feierten. Geht man aber nach dem Klischee, so gibt es durchaus einen eindeutigen Romantik-Oberschnulzenort. Er liegt, wie sollte es anders sein, in Italien. Vielleicht kommen Sie bei diesem Liedanfang auf die richtige Spur: »Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt, und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt, zieh´n die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus, und sie legen in weitem Bogen die Netze aus …«

Manchmal sind Klischees gar nicht schlecht, um etwas durch die Blume zu sagen. Wenn die Zeit reif dafür ist, fahren Sie also mit Ihrer Liebsten mal zum definitiv schnulzigsten Ort Europas auf Romantik-Tour. Sie wird es Ihnen danken! (Falls Sie es immer noch nicht wissen: Frauen stehen auf so was ohne Ende.)

Aber Achtung: Meiden Sie die Zeit zwischen Juli und September, da ist die Insel heillos überlaufen, vor allem von Tagestouristen, die aus Neapel und Sorrent herüberströmen, für eine Schnellbesichtigung der Blauen Grotte in Massenabfertigung. Zwei grundlegende Tipps also: Fahren Sie in der Nebensaison hin und buchen Sie für ein paar Nächte ein Hotel auf der Insel, auch wenn es nicht ganz billig ist. Abends nämlich, wenn die Tagesausflügler weg sind, erwacht der eigentliche Charme von Capri. Dann kriechen auch die vielen Promis aus ihren Schlupflöchern und begeben sich auf die Piazetta, den Hauptplatz der kleinen Inselhauptstadt, zum Sehen und Gesehen werden.

Dichter, Denker und Künstler hat das Inselchen (nur 10,4 Quadrat-kilometer groß) im Golf von Sorrent schon immer angezogen. Wegen seiner Idylle, seiner Abgeschiedenheit, seiner schönen Natur. Vielleicht auch wegen des despektierlichen ›Charmes‹ der Bewohner und wegen des guten Essens. Ein römischer Kaiser verlegte sogar für eine Weile seinen Amtssitz hierhin, sodass Capri quasi zum Mittelpunkt der Welt wurde. Auch Goethe war natürlich hier, nach ihm viele weitere Deutsche auf italienischer Reise, bis hin zu Brecht, der sich angesichts der schmalzigen Postkarten-Idylle mit Grausen abwandte. Seit vielen Generationen liebt die Hollywood Prominenz das Inselchen und begibt sich gern Inkognito auf Sightseeing.

Blaue Grotte. Auf Capri gibt es rund 60 Grotten in der felsigen Meeresküste. Aber alle kommen wegen der einen, der Blauen Grotte. Den Namen hat sie zurecht, denn im Inneren leuchtet es tatsächlich in einem magischen Blau, und springt man ins Wasser, hat man das Gefühl, auf einer Wasserwolke im »unabsehbaren blauen Himmel« zu schweben, wie schon der deutsche (Wieder-) Entdecker der Grotte August Kopisch im Jahr 1826 schrieb. Die in der Tat faszinierende Beleuchtung der Grotte rührt daher, dass der Höhleneingang sich nur drei bis vier Meter über die Wasserlinie öffnet und der Großteil des einfallenden Sonnenlichts unter dem Meeresspiegel in die Höhle dringt. Die Brechung und Wiederspiegelung des Lichts erzeugt das ein­malige Farberlebnis.

Die Grotte ist groß, rund 60 Meter lang und 30 Meter breit, das Wasser rund 15 Meter tief. Mühelos können einige Boote gleichzeitig darin herumsteuern. Dennoch: für den Massenansturm in der Hochsaison ist sie nicht gemacht. Die Tagestouristen, die mit größeren Booten herangekarrt werden, müssen vor der Grotte umsteigen in die kleineren, vier bis zehn Personen fassenden Höhlen-Schiffchen. Von denen kann immer nur eine bestimmte Zahl in der Höhle kurven, die anderen warten ungeduldig vor dem Eingang. Die Einheimischen machen sich einen Witz aus der Sache: Das Grotten-Sightseeing, sagen sie, ist wie ein Behördengang: Man wartet lange, und dann wird man schnell abgefertigt.

Also, gutes Timing ist entscheidend, sonst wird’s nix mit dem romantischsten Ausflug aller Zeiten. In der Nebensaison gibt es Tage, an denen Sie die Grotte fast für sich allein haben können. […]

Ankunft auf Capri: Touristen-Autos sind auf der Insel nicht erlaubt, Taxis überteuert. Lassen Sie sich nicht gleich am Hafen einen Kurztrip zur Blauen Grotte aufschwatzen. Fahren Sie stattdessen mit der Bergbahn ›Funiculare‹ hoch nach Capri, dem Hauptort der Insel. Nachdem Sie sich dort umgesehen haben, bewegen Sie sich westlich nach Anacapri, dem zweiten Städtchen (rund 6500 Einwohner). Hier in der Nähe können Sie sich irgendwo einquartieren. Bei Anacapri lohnt sich eine Fahrt mit der Sesselbahn auf den höchsten Berg, den 600 Meter hohen Monte Solaro. Von dort oben hat man eine großartige Sicht auf die Nachbarinseln Ischia und Procida bis hin zur Amalfiküste. Von Anacapri aus ist es dann auch ein Leichtes zu Fuß, per Taxi, Fahrrad oder gebuchter Tour zur nahegelegenen Blauen Grotte zu gelangen.

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Infos:
Bericht über die Wiederentdeckung der Blauen Grotte:
http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=capri_grotte
Allgemeines:
http://www.italien.com/Ferienregion/Kampanien/italien_kampanien.php
Text Capri-Fischer:
http://ingeb.org/Lieder/wennbeic.html

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