(armin fischer/t&t)
Jeder redet von eBooks: eBooks auf dem Kindle, eBooks auf dem iPad, eBooks auf dem iPhone. eBooks überall. Da mutet es romantisch an, wenn eine kaum bekannte Funktion der Wikipedia, der Buch- Generator, es ermöglicht, den genau umgekehrten Weg zu gehen: Aus bislang rein digital vorliegenden Daten werden anfassbare, schöne Bücher geschaffen, mit edlem Einband – „handgebunden“ – und in Farbdruck. Das ist das PediaPress-Buch.

Durch eine Kooperation mit Wikipedia und eine clevere Internet-Bedienoberfläche schafft der Mainzer Hersteller PediaPress tatsächlich Erstaunliches: Der oftmals unüberblickbare Datenwust der Wikipedia wird greifbar gemacht durch handliche Bücher, die sich jedermann zu bestimmten Themengebieten selbst zusammenstellen kann. Jeder Wikipedia-Artikel, den man auswählt, fließt ins Buch als „Kapitel“ ein, Bilder werden (auf Wunsch farbig) übernommen, das Layout geschieht vollautomatisch – aber erstaunlich präzise und ansehnlich.

Je ein Drittel der Bestellungen bei PediaPress kommt aus den USA und Deutschland, ein weiteres Drittel aus anderen Ländern, rund 1500 Stück im Monat: Es sind Wissenschaftler, Journalisten, Ärzte, Fachleute aller Art, die sich zu bestimmten Themengebieten ihr „eigenes Buch“ kreieren – und es innerhalb kürzester Zeit auf dem Schreibtisch liegen haben. Mit, und das dürfte vielen Möchtegern-Autoren besondere Freude bereiten, dem eigenen Namen auf dem Cover, als „Herausgeber“.

So spaßig das klingt, es ist völlig korrekt. Auf der Impressum-Seite jedes Buches klärt PediaPress auf: „The content within this book was generated collaboratively by volunteers. Please be advised that nothing found here has necessarily been reviewed by people withe the expertise to provide you with complete, accurate or reliable information […] Sources, licenses and contributors of all articles and images are listed in the section „References“ …

Der „Herausgeber“ fungiert lediglich als Sichter und Zusammensteller des Materials, was ein Herausgeber ja tatsächlich oft nur ist. Wer ein wenig clever ist, kann allerdings sogar einen eigenen Beitrag für „sein“ Buch schreiben. Voraussetzung dafür ist, dass man bei Wikipedia als Autor angemeldet ist, und damit umgehen kann (siehe unten).


Praxistest: Im Zuge der Recherche für ein Projekt habe ich mir ein PediaPress-Buch angelegt, und bin vom Ergebnis sehr positiv überrascht. Zwar wählte ich die teuerste aller möglichen Varianten mit Hardcover und Farbabbildungen, was mein rund 300 Seiten starkes Recherche-Buch am Ende 39 Euro teuer werden ließ – aber dennoch hätte ich nicht mit so einem guten Ergebnis gerechnet: Der Einband fasst sich stabil und edel an, das Buch ist tatsächlich handgebunden [beim Pößnecker Traditionsbetrieb GGP, der heute zu Bertelsmann gehört], das verwendete Papier ist gut, es gibt ein Lesebändchen. Layout-Fehler im Inneren halten sich, trotz der automatischen Produktion des Textblocks in Grenzen: kaum Schusterjungen, kaum Hurenkinder, die Bilder fast alle optimal platziert, Kapitelübergänge sauber getrennt – und oft, wie von Geisterhand, springt ein Kapitel wunschgemäß an einen Seitenanfang.

Und so geht es: In der Wikipedia gibt es neben den Funktionen „als PDF herunterladen“ und „Druckversion“ auch die schöne Funktion „Buch erstellen“, links in der Menüleiste zu finden. Klickt man darauf, gelangt man zum „Buchgenerator“, der ganz einfach funktioniert. Jeden Lexikonartikel, den man in der Wikipedia findet, kann man mit einem Mausklick als Kapitel zu seinem Buch hinzufügen, bei einem Buch zum Thema Vulkanismus würde man also zuerst einmal den Hauptartikel „Vulkanismus“ auswählen, danach weitere Artikel, die dazu passen, z.B. „Vulkanausbruch“, „Lava“, „Magma“, „Plattentektonik“, „Erdkruste“ usw. Sehr clever: Der Buchgenerator schlägt automatisch weitere thematisch passende Seiten vor. So surft man durch die Wikipedia und stellt nebenbei sein Recherchematerial als Buch zusammen. Danach lassen sich die Artikel in die gewünschte Reihenfolge bringen und, auf Wunsch, auch neue Kapitelgrenzen und Kapitelnamen einfügen.

An den Texten/Inhalten kann prinzipiell nichts verändert werden. Falls man selber Wikipedia-Autor ist, kann man indirekt, indem man ein Lemma bearbeitet, aber doch auf die Inhalte einwirken, sofern es im Rahmen der Wikipedia sinnvolle Ergänzungen sind. Und, wenn man in seinem eigenen, privaten Benutzerbereich einen kleinen Zusatzartikel schreibt, so ist dieser zwar nicht in der offiziellen Wikipedia zu finden, man kann ihn mit der Buchgenerator-Funktion aber genauso ins Buch aufnehmen, wie alle anderen auch. So kann sich der „Herausgeber“ dann doch noch zu Wort melden.

Hat man sämtliche Wikipedia-Artkel, die man bündeln möchte, zusammen, kommt der clevere Teil: Man klickt unter „Als gedrucktes Buch bestellen“ auf „Vorschau bei PediaPress“ und wird zur Bedienoberfläche von PediaPress weitergeleitet, wo man „sein Buch“ dann auch in gewissem Rahmen gestalten kann: Farbe des Covers, Auswahl des Cover-Bildmotivs, Buchtitel und Untertitel. Außerdem kann man sich für die Billigvariante als Paperback oder für die bessere Hardcover-Variante entscheiden, mit Farb- oder Schwarzweißbildern. Ein s/w-Paperback mit 150 Seiten ist so schon für rund 10 Euro zu haben.

Die Urheberrechte liegen bei den Wikipedia-Autoren und die Inhalte werden unter einer Creative Commons-Lizenz zur Verfügung gestellt. Sämtliche Autoren, Rechte und Lizenzbestimmungen, werden im Anhang des Buches mit abgedruckt. Und das Buch darf nur in dieser Form, mit kompletter Weitergabe der Lizenzinformationen, weiterverbreitet werden. Die Bücher sind Unikate und werden on demand gedruckt. Bestellen kann jeder, der es angelegt hat, oder aber der, dem der „Herausgeber“ den Link zur Bestellseite weitergegeben hat. Öffentlich gelistet werden diese kleinen Wikipedia-Perlen bisher nicht.

Für alle, die ihr Recherchematerial in der Bahn, Badewanne, auf der Skipiste, am Strand oder im Schwimmbad immer noch lieber in einem Buch durcharbeiten, als auf einem hitze- und wasserempfindlichen Elektro-Gadget, eine clevere Sache!

P.S.: Auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales findet es gut: „Books made with the PediaPress service are a great asset to further the mission of Wikipedia: allow every single human being to share in the sum of all human knowledge.“ Zehn Prozent Erlöses aus jedem Buch gibt PediaPress übrigens an die Wikimedia Foundation weiter, um ihre Mission des weltweit freien Informationsaustauschs zu unterstützen.

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z.B.: Die Eilige Schrift Zwölf unangenehme Thesen zur Katholischen Kirche im Jahre 2012. – Die Katholische Kirche befindet sich auf einem Parforceritt zurück ins Mittelalter … und viele spielen eine beklagenswerte Rolle, wenn es um die Volksverdummung im Interesse der Kirche geht. Kritische Stimmen sind kaum zu hören, man ist viel lieber happy im Papst-Wahn.

z.B.: Die Wissenschaft des Reichwerdens.

Im Jahr 2006 schoss ein Buch fulminant in den Bestsellerlisten nach oben: »The Secret«, das Geheimnis, von Rhonda Byrne, einer australischen Autorin und TV-Produzentin. Als eine ihrer maßgeblichen Quellen nannte Byrne in einem Interview Wallace Delois Wattles mit seiner »Wissenschaft des Reichwerdens«. Dieses Buch ist bis heute der am klarsten formulierte Ratgeber dafür, wie man Erfolg im Leben hat.

z.B.: Sun Tsu: Die Kunst des Krieges

Psychologische Führung aller Beteiligten, Flexibilität und Taktik gegenüber dem Gegner, äusserste Disziplin in den eigenen Reihen – das sind Prinzipien, die heute wie damals in allen großen Organisationen, ja sogar im persönlichen Leben und in der Mann-Frau-Beziehung von entscheidender Bedeutung sind.